Schreiner Angebot erstellen: Pflichtangaben, Preise und Vorlage 2026

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Schreinerei-Angebote sind komplex – Holzart, Maße, Oberfläche, Beschläge, Werkstattzeit, Montagezeit. Wer das pauschal anbietet, verliert entweder Marge oder den Auftrag. Dieser Ratgeber zeigt den vollständigen Aufbau eines professionellen Schreiner-Angebots.

Schreinerin in ihrer Werkstatt kalkuliert Angebot auf dem Smartphone

Pflichtangaben im Überblick

Ein Schreiner-Angebot ist ein rechtsverbindliches Vertragsangebot. Sobald der Auftraggeber annimmt, entsteht ein Werkvertrag nach §§ 631 ff. BGB. Bei Maßanfertigungen wie Küchen oder Einbauschränken schützt ein präzises Angebot vor teuren Missverständnissen.

Diese Angaben gehören auf jedes Schreiner-Angebot:

Bei Arbeiten am bewohnten Gebäude gegenüber Privatpersonen gilt zusätzlich die Widerrufsbelehrung nach § 312g BGB, wenn der Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen oder im Fernabsatz geschlossen wird.

Typische Positionen im Schreiner-Angebot

Bei einem Möbelstück nach Maß liegt ein einziger Gesamtpreis nahe – wirkt übersichtlicher für beide Seiten. „Einbauschrank komplett 4.200 Euro" lässt offen, welche Holzart und welche Beschläge gemeint sind. Das Problem: Möchte der Kunde später die Holzart wechseln, hast du keine Basis für eine faire Anpassung des Preises. Jede wesentliche Komponente gehört als eigene Position.

Einbausituation und Maßaufnahme

Position Einheit Beispielpreis netto
Maßaufnahme vor Ort inkl. Aufmaßzeichnung Pauschale 80 – 180 €
Konstruktionszeichnung / Planungsleistung Stunde 65 – 85 €
Altmöbel demontieren und entsorgen Pauschale 60 – 150 €

Materialien und Rohware

Position Einheit Hinweis
Massivholz (Eiche, Buche, Kirsche) m² / lfd. Meter Holzart und Stärke angeben; Preise stark schwankend
Span- / MDF-Platten (melaminbeschichtet) Dekor und Qualität angeben
Multiplexplatte (Birke) Stärke angeben (12, 18 oder 21 mm)
Kantenmaterial (ABS, Massivholzkante) lfd. Meter Material und Farbe angeben
Beschläge (Scharniere, Auszüge, Griffe) Stück / Pauschale Hersteller und Qualitätsstufe angeben

Material wird im Schreiner-Angebot typisch mit einem Aufschlag von 15–25 % auf den Einkaufspreis weiterberechnet. Der Aufschlag deckt Lagerhaltung, Verschnitt und Transportkosten.

Oberflächenbehandlung

Position Einheit Beispielpreis netto
Schleifen (3 Durchgänge, handgesäubert) 8 – 16 €
Ölen (1× Grundierung, 2× Endbehandlung) 12 – 22 €
Lackieren (Spritzlackierung, 2×) 18 – 35 €
Wachsen / Hartwachsen 10 – 20 €
Beizen (Grundierung + Beize + Decklack) 20 – 40 €

Fertigung und Montage

Position Einheit Beispielpreis netto
Fertigung in der Werkstatt Stunde 62 – 82 €
Montage beim Kunden Stunde 68 – 90 €
Anpassungsarbeiten vor Ort (Sägen, Bohren) Stunde 68 – 90 €
Transport (Werkstatt → Einbauort) Pauschale 45 – 120 €

Preise und Stundensätze 2026

Schreinereien und Tischlerbetriebe gehören zu den kapitalintensivsten Handwerksgewerken: CNC-Fräsen, Breitbandschleifer, Formatkreissägen, Kantenanleim­maschinen – die Maschinenausstattung einer mittleren Schreinerei kostet schnell 200.000 bis 500.000 Euro. Das schlägt sich im Stundensatz nieder.

Stundenverrechnungssatz Schreiner / Tischler 2026

Region Werkstattstundensatz netto Montagestundensatz netto
Süddeutschland, Ballungsräume 72 – 85 € 78 – 92 €
NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz 65 – 78 € 70 – 85 €
Norddeutschland 62 – 75 € 68 – 82 €
Ostdeutschland 50 – 65 € 55 – 70 €

Orientierungspreise nach Auftragstyp

Auftragstyp Preisspanne netto Hinweis
Einbauschrank nach Maß (pro lfd. Meter) 800 – 2.400 € Je nach Holzart, Innenausstattung, Oberfläche
Küche nach Maß (ohne Geräte) 4.500 – 18.000 € Massivholz deutlich teurer als Spanplatte
Massivholztreppe (gerade, inkl. Montage) 6.000 – 18.000 € Holzart und Beläge stark preistreibend
Zimmertür furniert (inkl. Montage, Zarge) 650 – 1.600 € Schallschutzklasse berücksichtigen
Badmöbel nach Maß 1.200 – 4.500 € Feuchtraumeignung der Materialien beachten

Werkstattstundensatz vs. Montagestundensatz

Viele Schreinereien arbeiten mit einem einheitlichen Stundensatz für alle Tätigkeiten. Das ist einfach – aber nicht optimal. Werkstattarbeit und Montagearbeit haben unterschiedliche Kostenstrukturen:

Werkstatt Montage beim Kunden
Maschinennutzung Hoch (CNC, Schleifer, Säge) Gering (Handwerkzeug, Akku-Maschinen)
Fahrtkosten Keine Fahrzeug, Kraftstoff, Parkzeit
Rüstaufwand Gering (alles vor Ort) Hoch (Werkzeug laden, Schutzmaßnahmen)
Produktivität Hoch (keine Unterbrechungen) Niedriger (Wartezeiten, Rückfragen)
Empfohlener Aufschlag Basis +10 – 15 % auf Werkstattsatz

Im Angebot beide Sätze separat ausweisen – "Werkstattfertigung 72 €/Std." und "Montage 80 €/Std." – ist transparenter für den Kunden und schützt dich bei montageintensiven Aufträgen vor Unterdeckung.

Wann ein Kostenvoranschlag sinnvoller ist

Bei Restaurierungsarbeiten an Altmöbeln oder historischen Einbauten ist ein Kostenvoranschlag nach § 650 BGB oft die bessere Wahl: Der tatsächliche Aufwand wird erst nach dem Freilegen der Konstruktion sichtbar – versteckte Schäden, alte Leimverbindungen, nicht mehr verfügbare Holzarten. 20 % Spielraum sind drin, ohne dass der Kunde zustimmen muss – mehr solltest du vorher ankündigen.

Häufige Fehler beim Schreiner-Angebot vermeiden

Häufige Fragen

Was muss in ein Schreiner-Angebot?

Pflichtangaben: Firmenangaben mit Steuernummer, Kundendaten, Angebotsnummer, Datum, Gültigkeitsdauer und Projektbezeichnung mit Maßen. Dazu kommt eine detaillierte Aufschlüsselung aller Leistungen mit Holzart, Maßen, Oberfläche, Beschlägen und getrennten Positionen für Werkstatt- und Montagestunden. Am Ende Nettobetrag, 19 % MwSt. und Bruttobetrag getrennt ausgewiesen.

Was kostet ein Schreiner pro Stunde 2026?

Werkstattstundensatz je nach Region zwischen 50 und 85 Euro netto. Montagestundensatz liegt 10–15 % darüber. Süddeutschland und Ballungsräume am oberen Ende, Ostdeutschland am unteren.

Wie kalkuliert ein Schreiner den Preis für ein Möbelstück?

Materialkosten mit Aufschlag von 15–25 %, plus Werkstattfertigung (Stunden × Werkstattstundensatz), plus Montage (Stunden × Montagestundensatz), plus Planungs- und Konstruktionszeit, plus Transport. Bei Sonderanfertigungen zusätzlich Prototypen- und Anpassungsaufwand einkalkulieren.

Wie lange ist ein Schreiner-Angebot gültig?

Üblich sind 4 bis 8 Wochen. Bei Aufträgen mit viel Massivholz sind 4 Wochen sinnvoll – Holzpreise schwanken je nach Holzart und internationaler Marktlage. Fehlt der Vermerk, kann sich der Kunde theoretisch noch nach Monaten auf den ursprünglichen Preis berufen.

Was ist der Unterschied zwischen Werkstattstundensatz und Montagestundensatz?

Der Werkstattstundensatz gilt für Fertigung in der eigenen Schreinerei. Der Montagestundensatz gilt für Einbau beim Kunden vor Ort – er liegt typisch 10–15 % höher wegen Fahrtkosten, Rüstaufwand und geringerer Produktivität durch Unterbrechungen. Beide Sätze sollten im Angebot separat ausgewiesen sein.

Wann ist ein Kostenvoranschlag beim Schreiner sinnvoller als ein Angebot?

Bei Restaurierungsarbeiten an Altmöbeln oder historischen Einbauten wenn der tatsächliche Aufwand erst nach dem Öffnen der Konstruktion sichtbar wird. 20 % Spielraum sind drin, ohne dass der Kunde zustimmen muss – mehr solltest du vorher ankündigen.

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