Pflichtangaben im Überblick
Ein Fliesenleger-Angebot ist ein rechtsverbindliches Vertragsangebot. Sobald der Auftraggeber annimmt, entsteht ein Werkvertrag nach §§ 631 ff. BGB. Im Bad, wo Feuchtigkeitsschäden teure Folgekosten haben können, ist eine präzise schriftliche Vereinbarung besonders wichtig.
Diese Angaben müssen auf jedem Angebot stehen:
- Firmenangaben: Vollständiger Firmenname, Rechtsform, Geschäftsadresse, Telefon, E-Mail
- Steuernummer oder USt-IdNr.: Pflicht für alle Unternehmen. Kleinunternehmer nach § 19 UStG vermerken den entsprechenden Hinweis ohne Mehrwertsteuerausweis.
- Kundendaten: Name und Adresse des Auftraggebers, Objektadresse wenn abweichend
- Angebotsnummer: Eindeutig und fortlaufend
- Datum und Gültigkeitsdauer: Empfehlung: 4–6 Wochen
- Raumbezeichnung und Lage: z. B. „Bad EG, Wandfläche inkl. Duschbereich“ – verhindert spätere Unklarheiten über den Leistungsumfang
- Detaillierte Positionsliste mit Flächen, Materialien und Verlegeart (siehe nächster Abschnitt)
- Nettobetrag, 19 % MwSt., Bruttobetrag: Alle drei separat ausweisen
- Zahlungsbedingungen: Fälligkeit nach Abnahme, ggf. Abschlagszahlungen bei größeren Projekten
Bei Arbeiten am bewohnten Gebäude gegenüber Privatpersonen gilt zusätzlich die Widerrufsbelehrung nach § 312g BGB, wenn der Vertrag außerhalb von Geschäftsräumen geschlossen wird.
Sinnvoll ist außerdem ein Hinweis, ob die Fliesen vom Auftragnehmer geliefert oder vom Auftraggeber beigestellt werden. Bei beigestellten Fliesen haftet der Fliesenleger nicht für Materialmängel, und genau das sollte schriftlich festgehalten sein.
Muster: Typische Positionen im Fliesenleger-Angebot
Am Beispiel eines Badezimmers zeigt das folgende Muster den vollständigen Aufbau eines Fliesenleger-Angebots. Untergrundvorbereitung, Abdichtung, Verlegearbeiten und Nebenleistungen stehen jeweils in einem eigenen Abschnitt. Wird der Aufwand größer als erwartet, schützt diese Trennung vor Diskussionen.
1. Untergrundvorbereitung
| Position | Einheit | Beispielpreis netto |
|---|---|---|
| Altfliesen entfernen (Wand) | m² | 10 – 18 € |
| Altfliesen entfernen (Boden) | m² | 8 – 15 € |
| Putz ausgleichen / Spachteln | m² | 5 – 12 € |
| Grundierung auftragen | m² | 3 – 6 € |
| Entkopplungsmatte verlegen (Boden) | m² | 8 – 16 € |
| Nivelliermasse einbauen | m² | 10 – 22 € |
| Entsorgung Bauschutt (Altfliesen) | Pauschale | 80 – 200 € |
2. Abdichtung
| Position | Einheit | Beispielpreis netto |
|---|---|---|
| Flächenabdichtung Duschbereich (2-lagig) | m² | 18 – 32 € |
| Ecken und Anschlüsse abdichten (Dichtband) | lfd. Meter | 4 – 8 € |
| Bodenablauf einbauen (Dusche) | Stück | 85 – 180 € |
3. Verlegearbeiten
| Position | Einheit | Beispielpreis netto (Arbeitsleistung) |
|---|---|---|
| Wandfliesen verlegen (bis 30×60 cm, Reihenverlegung) | m² | 28 – 45 € |
| Wandfliesen verlegen (Großformat ab 60×120 cm) | m² | 45 – 75 € |
| Bodenfliesen verlegen (bis 60×60 cm, Reihenverlegung) | m² | 35 – 55 € |
| Bodenfliesen verlegen (Großformat ab 80×80 cm) | m² | 55 – 85 € |
| Diagonalverlegung (Aufpreis auf Standard) | m² | +8 – 15 € |
| Mosaikfliesen verlegen | m² | 55 – 95 € |
| Naturstein verlegen (Marmor, Travertin) | m² | 65 – 110 € |
4. Fugen und Abschlüsse
| Position | Einheit | Beispielpreis netto |
|---|---|---|
| Verfugen (Zementfuge Standard) | m² | 5 – 10 € |
| Verfugen (Epoxidharzfuge, Feuchtraum) | m² | 12 – 22 € |
| Silikonfugen setzen (Anschlüsse, Ecken) | lfd. Meter | 4 – 9 € |
| Sockelleisten / Abschlussleisten setzen | lfd. Meter | 6 – 14 € |
| Dehnungsfugen einbauen | lfd. Meter | 5 – 10 € |
Quadratmeterpreise und Stundensätze 2026
Je nach Region, Untergrundqualität, Fliesengröße und Verlegemuster schwanken Fliesenleger-Preise stark. Die Tabellen unten zeigen deshalb Richtwerte, und zwar für die reine Verlegearbeitsleistung ohne Material.
Stundenverrechnungssatz Fliesenleger 2026
| Region | Stundensatz netto |
|---|---|
| Süddeutschland, Ballungsräume | 68 – 82 € |
| NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz | 60 – 75 € |
| Norddeutschland | 58 – 72 € |
| Ostdeutschland | 45 – 60 € |
Gesamtkosten Bad-Komplettsanierung (Orientierung)
Typisches Badezimmer 8–12 m², Komplettsanierung mit Altfliesenentfernung, Abdichtung, neuem Fliesenmaterial und Verlegung:
| Ausstattung | Gesamtkosten netto (inkl. Material) |
|---|---|
| Einfach (Standardfliesen, Reihenverlegung) | 3.500 – 5.500 € |
| Mittel (Markenware, Großformat bis 60×60) | 5.500 – 9.000 € |
| Gehoben (Großformat, Mosaik, Naturstein) | 9.000 – 18.000 € |
Enthalten sind die Fliesenarbeiten inkl. Material. Sanitärinstallation, Elektro und Malerarbeiten kommen separat dazu.
Was den Preis nach oben treibt
- Schlechter Untergrund: Hohlstellen, Risse, unebene Flächen erfordern aufwendige Vorbereitung. Aufpreis 20–50 % auf den Verlegepreis.
- Großformat ab 60×60 cm: Mehr Aufwand beim Zuschnitt, höhere Bruchgefahr, Gehrungsschnitte aufwändiger.
- Diagonalverlegung: 15–25 % mehr Verschnitt, mehr Schnittarbeit.
- Feuchtraum-Abdichtung: Pflicht in Duschbereichen, kostet extra – wer sie weglässt spart kurzfristig und zahlt später für Wasserschäden.
- Naturstein: Marmor, Travertin und Schiefer brauchen spezielle Kleber, Pflege und häufig eine Versiegelung – eigene Positionen.
Fläche und Verschnitt berechnen
Im Vergleich zu manchen anderen Gewerken ist die Flächenberechnung beim Fliesenleger einfacher. Häufig unterschätzt wird dagegen der Verschnitt.
Verlegefläche berechnen
Wandfläche = (Raumumfang × Raumhöhe) − Öffnungen (Fenster, Türen)
Bodenfläche = Raumlänge × Raumbreite
Duschbereich und Badewannennische misst du bei Badezimmern separat auf und weist sie als eigene Positionen aus, weil dort häufig eine andere Fliesenart oder eine andere Abdichtungsanforderung gilt.
Verschnittzuschlag
| Verlegeart | Verschnittzuschlag fürs Material |
|---|---|
| Reihenverlegung (Standard) | 10 % |
| Versatzverlegung (Ziegelverband) | 10 – 12 % |
| Diagonalverlegung (45°) | 15 – 20 % |
| Mosaikfliesen | 15 – 20 % |
| Unregelmäßiger Grundriss (viele Ecken, Schrägen) | bis 25 % |
Den Verschnittzuschlag immer im Material-Preis einrechnen, nie in der Verlegefläche. Im Angebot steht also die tatsächliche Verlegefläche, während das Material mit Verschnitt kalkuliert wird.
Häufige Fehler beim Fliesenleger-Angebot vermeiden
- Untergrundvorbereitung pauschaliert: Altfliesen entfernen, Spachteln und Grundieren haben unterschiedlichen Aufwand je nach Ausgangszustand. Wer das in den Verlegepreis einrechnet, verliert bei schlechten Untergründen. Immer als eigene Positionen ausweisen.
- Abdichtung nicht im Angebot: Im Feuchtraum ist die Abdichtung bautechnisch Pflicht. Entstehen später Feuchtigkeitsschäden und stand sie nicht ausdrücklich im Angebot, hast du ein Problem. Auch rechtlich.
- Fliesenmaterial nicht spezifiziert: Ohne Angabe von Fliesengröße, Material und Qualitätsstufe kann der Auftraggeber später Naturstein oder Designerware beanspruchen. Immer konkret angeben oder "Fliesenmaterial nach Wahl des Auftraggebers, Materialwert bis [Betrag] €/m²" schreiben.
- Verschnitt vergessen: Wer Material ohne Verschnittzuschlag kalkuliert, kauft zu wenig und muss später nachbestellen. Die Nachlieferung stammt dann häufig aus einer anderen Charge und hat eine andere Farbnuance.
- Silikonfugen nicht aufgeführt: Anschlusssilikone an Wanne, Dusche und Boden sind eine eigene Leistung und kein "Nebenprodukt" der Verlegearbeiten. Eigene Position, eigener Preis.
- Keine Gültigkeitsdauer: Großformatfliesen und Naturstein schwanken preislich mit dem Import – eine Frist schützt dich davor.
Häufige Fragen
Was muss in ein Fliesenleger-Angebot?
Pflichtangaben: Firmenangaben mit Steuernummer, Kundendaten, Angebotsnummer, Datum, Gültigkeitsdauer und Raumbezeichnung. Am wichtigsten ist eine nachvollziehbare Positionsliste mit Untergrundvorbereitung, Abdichtung, Verlegearbeiten (mit Fläche und Fliesengröße), Verfugung und Abschlüssen. Am Ende Nettobetrag, 19 % MwSt. und Bruttobetrag getrennt ausgewiesen.
Was kostet ein Fliesenleger pro Quadratmeter 2026?
Reine Verlegearbeitsleistung: 28–55 Euro netto für Standardfliesen in Reihenverlegung, 45–85 Euro für Großformat, 55–95 Euro für Mosaik. Naturstein liegt bei 65–110 Euro. Zusätzlich kommen Untergrundvorbereitung, Abdichtung und Material dazu.
Wie berechnet ein Fliesenleger die Fläche?
Wandfläche: Raumumfang × Höhe minus Fenster und Türen. Bodenfläche: Länge × Breite. Für das Material wird ein Verschnittzuschlag von 10–20 % hinzugerechnet je nach Verlegeart – bei Diagonalverlegung bis 20 %, bei Standardverlegung 10 %.
Muss der Fliesenleger die Fliesenauswahl im Angebot angeben?
Ja – zumindest Fliesengröße, Material (Steingut, Feinsteinzeug, Naturstein) und Qualitätsstufe sollten angegeben sein. Ohne diese Angaben kann der Auftraggeber später Premiumware beanspruchen. Bei beigestellten Fliesen muss das explizit vermerkt sein – dann haftet der Fliesenleger nicht für Materialmängel.
Was kostet Untergrundvorbereitung beim Fliesenleger?
Altfliesen entfernen: 8–18 Euro pro m². Spachteln und Grundieren: 5–12 Euro. Im Altbau können zusätzlich Entkopplungsmatte, Nivelliermasse oder Dampfsperrfolie nötig sein. Diese Arbeiten immer als eigene Positionen ausweisen – nie im Verlegepreis verstecken.
Ist eine Abdichtung im Badezimmer Pflicht?
Ja – im Nassbereich (Dusche, Badewanne) ist eine Flächenabdichtung nach DIN 18534 bautechnisch vorgeschrieben. Wer sie weglässt spart kurzfristig, riskiert aber Feuchtigkeitsschäden in der Konstruktion und haftet im Schadensfall. Die Abdichtung gehört als eigene Position ins Angebot.