Pflichtangaben im Überblick
Ein Elektriker-Angebot ist ein rechtsverbindliches Dokument. Sobald der Auftraggeber annimmt, entsteht ein Werkvertrag. Unvollständige Angaben können später zu Streit über Leistungsumfang, Preis oder Gewährleistung führen.
Diese Angaben gehören auf jedes Angebot:
- Firmenangaben: Vollständiger Firmenname, Rechtsform, Geschäftsadresse, Telefon, E-Mail
- Steuernummer oder USt-IdNr.: Pflicht für alle Unternehmen. Kleinunternehmer nach § 19 UStG weisen keine Mehrwertsteuer aus und vermerken den entsprechenden Hinweis.
- Kundendaten: Name und Adresse des Auftraggebers, bei größeren Projekten auch Objektadresse
- Angebotsnummer: Eindeutig und fortlaufend – wichtig für spätere Zuordnung auf Auftragsbestätigung und Rechnung
- Datum und Gültigkeitsdauer: Empfehlung: 4 Wochen bei schwankenden Kabelpreisen
- Detaillierte Positionsliste (siehe nächster Abschnitt)
- Nettobetrag, 19 % MwSt., Bruttobetrag: Alle drei separat ausweisen
- Zahlungsbedingungen: Fälligkeit, Zahlungsziel, ggf. Abschlagszahlungen bei größeren Projekten
- Normhinweis: Empfehlenswert: "Alle Arbeiten werden nach VDE 0100 und den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt"
Bei Arbeiten am bewohnten Gebäude gegenüber Privatpersonen gilt zusätzlich die Widerrufsbelehrung nach § 312g BGB. Ohne sie läuft die Widerrufsfrist nicht an.
Typische Positionen im Elektriker-Angebot
Die Positionsliste ist das Herzstück jedes Elektriker-Angebots. Pauschalen ohne Aufschlüsselung schützen nicht vor Nachforderungen – und überzeugen professionelle Auftraggeber wie Hausverwaltungen oder Bauleiter nicht.
Elektroinstallation Neubau / Sanierung
| Position | Einheit | Beispielpreis netto |
|---|---|---|
| Unterputzleitung verlegen (NYM-J 3×1,5) | lfd. Meter | 12 – 22 € |
| Unterputzdose setzen | Stück | 18 – 35 € |
| Steckdose UP montieren und anschließen | Stück | 25 – 55 € |
| Lichtschalter UP montieren und anschließen | Stück | 22 – 45 € |
| Leuchtenanschluss (ohne Leuchte) | Stück | 35 – 65 € |
| Verteilerschrank montieren und verdrahten (bis 24 TE) | Stück | 350 – 650 € |
| Sicherungsautomat einbauen und anschließen | Stück | 45 – 90 € |
| FI-Schutzschalter einbauen | Stück | 80 – 150 € |
Außenanlage und Spezialinstallationen
| Position | Einheit | Beispielpreis netto |
|---|---|---|
| Außenleuchte montieren und anschließen | Stück | 65 – 120 € |
| Erdkabel verlegen inkl. Graben (bis 1m Tiefe) | lfd. Meter | 35 – 65 € |
| Wallbox montieren und anschließen (bis 11 kW) | Stück | 280 – 550 € |
| Photovoltaik-Wechselrichter anschließen | Stück | 220 – 420 € |
| Rauchwarnmelder montieren und vernetzen | Stück | 45 – 85 € |
Material wird entweder in den Positionspreisen eingerechnet oder als separater Materialblock am Ende des Angebots ausgewiesen – mit Materialaufschlag (typisch 15–25 %). Beide Varianten sind üblich, entscheidend ist dass es klar gekennzeichnet ist.
Preise und Stundensätze 2026
Elektriker gehören zu den am höchsten vergüteten Handwerksgewerken – wegen der Zertifizierungspflicht, dem Haftungsrisiko und dem spezialisierten Material.
Stundenverrechnungssatz Elektriker 2026
| Region | Stundensatz netto |
|---|---|
| Süddeutschland, Ballungsräume | 78 – 92 € |
| NRW, Hessen, Rheinland-Pfalz | 70 – 84 € |
| Norddeutschland | 66 – 80 € |
| Ostdeutschland | 55 – 70 € |
Spezialbetriebe für Photovoltaik, Gebäudeautomation (KNX/EIB) oder Industrieelektrik erzielen üblicherweise 10–20 % höhere Sätze als allgemeine Elektroinstallationsbetriebe – weil die Spezialisierung den Wettbewerb reduziert.
Was den Preis beeinflusst
- Altbau vs. Neubau: Im Altbau sind Stemmarbeiten, unbekannte Leitungsführungen und eingeschränkte Zugänglichkeit preistreibend. Aufschlag von 20–40 % gegenüber Neubauleistungen ist üblich.
- Sicherheitsanforderungen: Feuchträume (Badezimmer, Außenbereich) erfordern IP-geschützte Materialien und höheren Installationsaufwand.
- Messgeräte und Protokolle: Eine VDE-Messung mit Prüfprotokoll ist eine separate abrechenbare Leistung und gehört bei größeren Installationen als eigene Position ins Angebot.
Regiearbeit vs. Pauschalangebot
Im Elektrohandwerk gibt es zwei grundlegende Abrechnungsmodelle – und die Wahl zwischen beiden sollte bewusst getroffen werden:
| Regiearbeit | Pauschalangebot | |
|---|---|---|
| Abrechnung | Stunden × Stundensatz + Material | Festpreis für definierte Leistung |
| Risiko | Beim Auftraggeber (offener Endpreis) | Beim Auftragnehmer (Mehraufwand dein Problem) |
| Wann sinnvoll | Reparaturen, Störungssuche, unbekannter Aufwand | Neuinstallation, klar definierte Leistungen |
| Kundenperspektive | Unsicherheit über Endpreis | Planungssicherheit, bevorzugt bei Privatpersonen |
Für Neuinstallationen mit klarem Leistungsumfang ist das Pauschalangebot fast immer die bessere Wahl – der Kunde hat Planungssicherheit und du kalkulierst einen angemessenen Puffer ein. Für Fehlersuche und Reparaturen ist Regiearbeit ehrlicher: Du kannst vor Beginn keinen seriösen Festpreis nennen.
Häufige Fehler beim Elektriker-Angebot vermeiden
- Material nicht separat ausgewiesen: Wenn Kabelmengen, Dosen und Schaltmaterial im Stundensatz versteckt sind, verlierst du bei materialintensiven Aufträgen. Besser: Material als eigene Positionen oder als separaten Materialblock.
- Keine Gültigkeitsdauer: Kabelpreise schwanken mit dem Kupferpreis – ohne Fristangabe zahlst du die Differenz im Zweifel selbst.
- VDE-Messung vergessen: Die Abschlussmessung nach VDE 0100 mit Prüfprotokoll ist eine eigene Leistung. Wer sie im Pauschalpreis "mitgibt", erbringt sie später gratis.
- Zu vage Leistungsbeschreibung: „Elektrische Anlage erneuern, Pauschale 4.200 Euro" lässt offen, welche Leitungen und welches Material gemeint sind. Was genau wird erneuert? Welche Leitungsquerschnitte? Welches Schaltmaterial?
- Angebotsnummer fehlt: Ohne Nummer ist keine eindeutige Zuordnung möglich wenn der Kunde per E-Mail bestätigt oder später Rückfragen hat.
- Zu spät geliefert: Bei Privatpersonen die mehrere Elektriker anfragen, bekommt oft der erste seriöse Anbieter den Auftrag – nicht unbedingt der günstigste.
Häufige Fragen
Was muss in ein Elektriker-Angebot?
Pflichtangaben: Firmenangaben mit Steuernummer, Kundendaten, Angebotsnummer, Datum und Gültigkeitsdauer. Entscheidend ist eine vollständige Auflistung aller Positionen mit Material, Menge, Einheit und Einzelpreis. Am Ende Nettobetrag, 19 % MwSt. und Bruttobetrag getrennt. Bei Privatpersonen am bewohnten Gebäude zusätzlich eine Widerrufsbelehrung.
Was kostet ein Elektriker pro Stunde 2026?
Je nach Region zwischen 55 und 92 Euro netto. Süddeutschland und Ballungsräume liegen bei 78–92 Euro, Ostdeutschland bei 55–70 Euro. Spezialbetriebe für Photovoltaik oder Gebäudeautomation erzielen häufig höhere Sätze.
Wie lange ist ein Elektriker-Angebot gültig?
Üblich sind 4 bis 6 Wochen. Bei Materialpreisschwankungen sind 4 Wochen sinnvoll – Kabelpreise und Schaltmaterialpreise können sich durch Rohstoffmärkte schnell ändern. Fehlt die Frist, kann der Kunde theoretisch Monate später noch auf den alten Preis pochen.
Muss ein Elektriker-Angebot die VDE-Norm nennen?
Gesetzlich nicht vorgeschrieben, aber in der Praxis empfehlenswert. Ein Hinweis wie "Alle Arbeiten werden nach VDE 0100 und den anerkannten Regeln der Technik ausgeführt" schützt vor späteren Auseinandersetzungen über den geschuldeten Qualitätsstandard.
Was ist der Unterschied zwischen Regiearbeit und Pauschalangebot?
Regiearbeit: Abrechnung nach tatsächlichem Aufwand (Stunden + Material), offener Endpreis. Sinnvoll für Reparaturen und Störungssuche. Pauschalangebot: Festpreis für definierte Leistung, Mehraufwand trägst du. Sinnvoll für Neuinstallationen mit klarem Umfang.